No. 22: Dausende vun Liebesleeder
No. 22: Dausende vun Liebesleeder

No. 22: Dausende vun Liebesleeder

Dausende von Leebesleeder

„Wat für en Stadt, wat für e‘ Panorama!
Die Bröcke, dä Dom, die Jivelle vun dä Altstadt.
Nä, wie schön! Nä, wat für en Stadt!

[…]

Dausende vun Liebesleeder handle vun dä Stadt,
Treueschwüre, kölsch jesunge, vun charmant bess platt.
Em Karneval, em Stadion, dä Voodoo funktioniert.
Meddendrinn em Häzz simmer all verhex.
Do mähste nix draan.“

(BAP)

Manchmal ist es gut, die Dinge mit Abstand zu betrachten. Es gibt einen Ort auf einem Höhenrücken zwischen Sülz und Agger, der mich immer wieder anzieht – besonders dann, wenn der Tag lang war und der Kopf voll. Von hier oben öffnet sich der Blick weit über die Kölner Bucht. Die Stadt liegt in der Ferne, eingebettet in Licht und Landschaft, und allein dieses Panorama wirkt entschleunigend.

Im Sommer war ich oft zum Sonnenuntergang hier. Zum Fotografieren, aber auch zum Bleiben. Zum Durchatmen. Dieser Ort ist für mich ein Platz zum Calm Down, zum Innehalten. Ich lasse den Blick schweifen, folge den warmen Farben des Abends – Orange, Gelb, Rot – und merke, wie die Gedanken ruhiger werden.

Köln mit Abstand

Fast automatisch bleibt der Blick irgendwann hängen. Am Dom.
Rund 25 Kilometer entfernt und doch unverkennbar. Auch aus der Distanz entfaltet die Kölner Skyline ihre Wirkung. Vielleicht gerade deshalb. Von hier oben wirkt Köln weniger laut, weniger fordernd. Der Abstand verändert den Blick – auf die Stadt, aber auch auf vieles andere.

In solchen Momenten klingen mir oft ein paar Liedzielen im Kopf nach:

„…wat för en Stadt, wat för e Panorama!
Die Bröcke, dä Dom, die Jivelle vun dä Altstadt.
Nä, wie schön! Nä, wat för en Stadt…“

BAP reiht sich mit „Dausende vun Liebesleedern“ selbstironisch und altersmilde in die lange Reihe kölscher Liebeserklärungen ein. Keine Verklärung, kein Hochglanz. Sondern eine realistische Liebe zu einer Stadt, die widersprüchlich ist, leicht chaotisch, manchmal anstrengend – und genau deshalb Heimat. Köln ist kein Ideal, sondern ein vertrauter Partner mit Ecken, Kanten und Marotten. Einer, den man nicht perfekt finden muss, um ihn zu lieben.

Dieser Ort schenkt mir genau das: eine Liebe mit Abstand. Eine Perspektive, die klarer macht, ohne zu entfremden.

Begegnungen, die bleiben

In diesem Jahr kamen hier oben immer wieder kurze Begegnungen dazu. Kleine Gespräche, flüchtig und doch berührend. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Taubenzüchter, der mir in wenigen Minuten einen stillen, leidenschaftlichen Einblick in einen fast vergessenen Sport gab. Ein Moment, der nachwirkte – gerade weil er so unspektakulär war.

Vielleicht liegt darin die besondere Qualität dieses Ortes.
Er schafft Weite – und lässt dennoch Nähe zu.
Zur Stadt. Zu den eigenen Gedanken. Und manchmal auch zu fremden Menschen.

Wenn die Sonne schließlich hinter der Skyline verschwindet und der Dom langsam im Dunst versinkt, bleibe ich oft noch einen Moment stehen. Schaue. Atme. Und nehme dieses Gefühl mit – zurück in den Alltag, zurück nach Köln.

Ein Ort zum Durchatmen – auch in den letzten Jahren

Wat för e Panorama