
„‚Wir können das, denn wir sind anders‘
Flüstern Engel in mein Ohr
Die Stadt ist heute wie ein Song
Und ich bin voll mit Erinnerungen“
(Klee)
Es gibt Lieder, die begleiten einen so lange, dass sie irgendwann wie ein Stück eigener Erinnerung klingen. Die Stadt von Klee ist für mich genauso ein Lied. Seit meinen Studientagen läuft es hin und wieder in mein Leben hinein – manchmal zufällig, manchmal gezielt. Und jedes Mal passiert etwas: ein kleines Ziehen, eine leise Wehmut, dieses Gefühl, gleichzeitig angekommen und auf dem Sprung zu sein. Als würde die Stadt selbst kurz die Hand auf mein Herz legen.
„…die Stadt ist heute wie ein Song
Und ich bin voll mit Erinnerungen…“
Eine Empfindung, bei der ich genau weiß, warum so viele Kölner:innen sagen: „Kölle es e Jeföhl.“ Weil diese Stadt nichts ist, was man nur sieht. Köln ist etwas, das man spürt – zwischen Nord-Süd-Fahrt und Altstadtgassen, zwischen Büdchenlicht und Domschatten, zwischen Heimweh und Fernweh. Ein Ort, der weniger durch seine Gebäude funktioniert als durch die Geschichten, die wir in uns tragen.
Und manchmal reicht eine ganz bestimmte Situation, und küsst all das wach und es kommt mit voller Wucht zurück.
„…wir können die Zeit zurück drehn
Von hier zu jedem Kuss davor…“
Auf den Spuren von Vergangenheit und Zukunft
So wie bei meinem Besuch in der alten Mühle am Deutzer Hafen. Gemeinsam mit drei Freund:innen bin ich dort durch staubige Gänge gelaufen, über ausgetretene Stufen, vorbei an Sackrutschen, die ein bisschen wie eine Einladung an unseren inneren Spielplatz wirkten. Und während wir immer weiter hinaufstiegen bis in die zwölfte Etage, fühlte sich die Mühle plötzlich wie ein Zeitfenster an: als könnte man die vergangenen Jahrzehnte noch hören, riechen und spüren.
Doch gleichzeitig war da dieses andere Gefühl. Ein Kitzeln, eine Ahnung von Zukunft. Hier, wo einst Tonnen von Mehl produziert wurden, entsteht ein neues Stück Köln – ein Veedel zwischen Wasser, Architektur und Ideen. Und mitten in dieser Transformation standen wir vier herum und ließen unsere Fantasie Purzelbäume schlagen: Was würde ich hier bauen? Wie sähe mein Lieblingsort aus? Was könnte dieser Ort einmal für Menschen bedeuten?
Es war dieser fast kindliche Moment des „Alles ist möglich“, der mich an den Song von Klee erinnerte. Denn auch dort geht es um Wandel, um Orte, die bleiben und sich doch verändern. Um dieses stille Versprechen, dass eine Stadt immer mehr ist als Beton: ein Resonanzraum für das, was wir fühlen, hoffen, verloren haben und neu finden.
„…du brauchst mich um zu bleiben
Ich brauch dich um zu gehn
Du brauchst meine Augen um dich selber zu sehen…“
Sei perfekt unperfekt
Vielleicht ist genau das das kölsche Lebensgefühl. Dass Köln uns nicht zwingt, perfekt zu sein – nicht als Stadt, nicht als Menschen. Dass es uns erlaubt, gleichzeitig sentimental und neugierig zu sein. Dass es Räume schafft, in denen Wehmut und Aufbruch nicht gegeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig verstärken.
Als wir die Mühle wieder verließen, lag der Rhein in der Winterluft wie ein ruhiger Atemzug. Und ich dachte: Die Stadt verändert sich. Wir verändern uns. Doch das Gefühl bleibt.
Ein Gefühl, das sagt: Diese Stadt lebt – und wir leben mit ihr. Und manchmal reicht ein Lied, ein Blick vom zwölften Stock oder ein Staubkorn auf einem alten Balken, um sich daran zu erinnern.