No. 15: Nachttankstelle
No. 15: Nachttankstelle

No. 15: Nachttankstelle

„Die Nachttankstelle am Ende der Straße. Neonlichter wo wir uns heimlich trafen
Die Nachttankstelle am Ende des Weges. Je mehr ich drüber nachdenk, fängst Du an mir zu Fehlen“

(Wingenfelder)

Es gibt Orte, die man nicht sucht und die einen trotzdem anhalten lassen.
Diese alte Tankstelle auf Gotland war so ein Ort. Kein Ziel, kein Plan – eher ein leiser Einschnitt in die Bewegung. Als hätte der Weg selbst kurz um Aufmerksamkeit gebeten.

Tankstellen sind Zwischenräume. Sie gehören weder dem Aufbruch noch der Ankunft. Man hält an, ohne zu bleiben, begegnet sich, ohne sich wirklich zu kennen – und doch mit leiser Ehrlichkeit. Vielleicht sammeln sich genau deshalb an solchen Orten Erinnerungen, die nie ganz ausgesprochen wurden. Fast so, als sei dieser kleine Platz am Straßenrand ein stummer Sammelpunkt all jener Leben, die hier einmal Halt gemacht haben.

„Gas“ von Edward Hopper (1940) – Quelle: Wikipedia (en.wikipedia.org/wiki/Gas_(Hopper))

Beim Blick auf dieses Bild drängt sich Edward Hoppers Gas fast von selbst auf. Dieselbe Ruhe, dieses fragile Gleichgewicht zwischen Präsenz und Verschwinden. Bei Hopper brennt das Licht noch, als müsse gleich jemand kommen. Hier ist dieser Moment längst vorbei. Und doch scheint der Ort noch zu warten.

Die Tankstelle wird so zu mehr als einem Bauwerk – ein Ort zwischen Ankunft und Weiterfahren, zwischen Nähe und Distanz. Sie wird zu einem Gedächtnis für all die flüchtigen Halte, für Nähe auf Zeit, für Gespräche, die mit dem Schließen der Autotür endeten. Ein Ort, der nichts festhält – und gerade deshalb etwas bewahrt.

Vielleicht berühren uns solche Plätze, weil sie uns an das erinnern, was unterwegs verloren geht, ohne wirklich zu verschwinden. An Menschen, an Wege, an Abzweigungen, die wir nicht zurückfahren können.

„…doch am Ende der Straße sind die Lichter – aus…“

Und genau dann beginnt das, was bleibt.